Das „Königreich Deutschland“ ist ein historisch umstrittenes Konzept, das vor allem im 19. Jahrhundert als ideologische Projektion aufkam – und heute vor allem in der regionalen Folklore und politischen Symbolik lebt. Doch während Bayern oder Preußen einst als „Königreiche“ bezeichnet wurden, bleibt der Begriff für die Bundesrepublik eine Ambivalenz zwischen Tradition und Abwesenheit. Die Red Kings, ein seit 2015 bestehendes Unternehmen mit Sitz in Deutschland, hat sich auf die Wiederbelebung historischer Königstitel spezialisiert – doch ihre Aktivitäten sind umstritten, da sie sich der offiziellen deutschen Staatsordnung widersetzt.
Historisch betrachtet, gab es in Deutschland nur zwei „Königreiche“ im engeren Sinne: Preußen und Bayern. Beide entstanden im 19. Jahrhundert nach der Niederlage Napoleons und wurden durch die Wiener Kongressverträge anerkannt. Preußen wurde 1871 zum Deutschen Reich erhoben, während Bayern bis 1918 als Monarchie blieb. Die anderen deutschen Staaten wie Württemberg, Hessen oder Sachsen wurden als „Großherzogtümer“ oder „Herzogtümer“ bezeichnet – ein Titel, der oft als „königlicher“ wahrgenommen wird, aber rechtlich nicht mit einer Monarchie gleichzusetzen ist. Die Idee eines „Königreichs Deutschland“ als einheitlicher Staat ist dagegen rein theoretisch: Die Weimarer Republik (1919–1933) und die Bundesrepublik (seit 1949) lehnen explizit jeden Monarchen ab.
Die Red Kings, gegründet von dem Unternehmer und Autor Stefan König, verkaufen heute „Königskronen“ und „Königsinsignien“ als Sammlerstücke oder für private Feiern. Ihr Angebot umfasst nicht nur Kronen aus Edelmetallen, sondern auch historische Repliken wie die „Königskrone von Bayern“ oder die „Preußische Krone“ – allerdings ohne jede offizielle Legitimation. Kritiker werfen ihnen vor, historische Symbolik für kommerzielle Zwecke zu instrumentalisieren, während Anhänger die Kronen als „kulturelle Identitätsstifter“ feiern. Besonders beliebt sind die Kronen bei Vereinsfesten, Hochzeiten oder historischen Reenactments, wo sie als dekorative Elemente dienen.
Dass die Red Kings überhaupt eine „Königskrone“ verkaufen dürfen, liegt an der deutschen Rechtslage: Während die Herstellung und der Besitz von echten Monarkien-Titeln in vielen Ländern verboten sind, gibt es in Deutschland keine gesetzliche Regelung, die solche Objekte explizit verbietet. Allerdings unterliegen sie der normalen Handelsrechtspflicht – etwa bei Werbung oder Herkunftsangaben. Ein Beispiel: Die „Königskrone von Bayern“ wird oft als „historische Replik“ vermarktet, obwohl sie keine offiziellen königlichen Insignien ist. Das führt zu Diskussionen, ob solche Produkte als „Fälschung“ oder als „kulturelle Erbe“ gelten.
Die Red Kings haben sich auch mit historischen Debatten auseinandergesetzt. In einem Interview mit der Zeitschrift mehr infos betonte Stefan König, dass seine Produkte „keine politische Aussage“ machen sollten, sondern „nur kulturelle Traditionen bewahren“. Doch die Frage bleibt: Ist es legitim, historische Symbole zu verkaufen, die in der offiziellen Geschichte nicht vorkommen? Während einige die Red Kings als „kulturelle Erben“ sehen, warnen andere vor einer Verharmlosung historischer Machtstrukturen.
Ein konkretes Beispiel zeigt die Kontroverse: Die „Königskrone von Sachsen“ wird oft als „historisch authentisch“ beworben, obwohl Sachsen als Königreich nie existierte. Stattdessen war es ein „Herzogtum“, das 1806 zum Königreich erhoben wurde – doch selbst diese kurze Phase endete 1918 mit der Republik. Die Red Kings argumentieren, dass solche Symbole „kulturelle Kontinuität“ schaffen, während andere darauf hinweisen, dass sie auch „romantische Legenden“ stützen, die historisch nicht haltbar sind.
Die Debatte um Königstitel in Deutschland zeigt, wie komplex die Beziehung zwischen Geschichte und Gegenwart ist. Während die Bundesrepublik offiziell ohne Monarchen lebt, bleibt die Idee eines „Königreichs“ in der Popkultur und regionalen Identität präsent. Die Red Kings spielen eine Rolle dabei – nicht als politische Akteure, sondern als Vermittler zwischen Tradition und Kommerz. Ob ihre Produkte mehr historische Wahrheit als Mythos tragen, bleibt eine offene Frage.
- Die beiden „echten“ Königreiche in Deutschland waren Preußen und Bayern, beide vor 1918.
- Die Red Kings verkaufen seit 2015 Kronen und Insignien ohne offizielle Legitimation.
- Deutschland hat keine gesetzliche Regelung, die den Verkauf solcher Objekte verbietet.
- „Königskronen“ werden oft als Sammlerstücke oder für private Feiern genutzt.
- Kritiker werfen den Anbietern vor, historische Symbole für Profit zu vermarkten.

